Das Wasserzapfen, um den Durst zu stillen, dürfte sich allerdings an den meisten der dafür geeigneten Brunnen als schwierig erweisen. Denn um an den sprudelnden Quell der Erfrischung zu kommen, muss in der Regel zuerst eine mehr oder weniger große Wasserfläche durchwatet werden. Und das dürfte in den meisten Fällen nicht ganz so grazil daherkommen, wie Anita Ekberg im römischen Fontana di Trevi aus Federico Fellinis Klassiker „La dolce vita“.
Doch offizielle Wasserspender, aus denen sich Passanten und Touristen trockenen Fußes ihre Flaschen füllen können, sucht man in München leider vergebens. Lediglich am Rand des Rindermarkts stand bisher unscheinbar der einzige Trinkbrunnen in der Münchner Altstadt – und das seit 2016 lediglich im Probebetrieb.
Das Baureferat wollte nämlich feststellen, ob zusätzlich zu den wöchentlichen Inspektionen auch jede Woche eine mikrobiologische Untersuchung des Wassers notwendig sei, um Keime auszuschließen. Die Furcht in der Behörde war offenbar, verklagt zu werden, wenn jemand am verschmutzten Wasser in einem Trinkbrunnen erkrankt.
Diese Furcht muss die Stadt jetzt nicht mehr haben. Da im alten Ruffinihaus am Rindermarkt asbesthaltiges Material gefunden wurde, wird das 1905 fertiggestellte Gemäuer jetzt für schlappe 35 Millionen Euro von Grund auf saniert. Und währenddessen ist auch der Probe-Wasserspender außer Betrieb.
Wasserspender: Vorher – nachher

Für die Millionenschar von Touristen, die sich regelmäßig durch München schiebt, ist das ein echter Mangel, denn sie ist anderes gewohnt: Rom hat für Durstige 2500 öffentliche Wasserspeier, die wegen ihrer Form „Nasoni“ genannt werden. Und in Wien gibt es mehr als 900 Trinkbrunnen, die von der Stadt betreut werden. Keime hin oder her, die Römer und Wiener sind offenbar härter im Nehmen – oder die dortigen Stadtverwaltungen weniger ängstlich.